„Junge Leute, vor dem Computer sitzend, Morgenlicht, Headset“

„Eine inspirierende Erfahrung, die uns auch ermutigt hat, unseren eigenen Weg im Leben zu gehen, der uns erfüllt“, stellt Jason Dieck (17 Jahre) fest. Das bestätigten viele seiner 22 Klassenkamerad*innen im Chemieprofil des Marion Dönhoff Gymnasiums, nachdem die Bestsellerautorin Alena Schröder sie an einem Montagvormittag Mitte März in ihrem virtuellen Deutsch-Klassenzimmer besuchte. Dem Abstandgebot folgend auf drei Klassenräume verteilt, ausgerüstet mit Maske, Headsets und Laptop konnte die Klasse die Videokonferenz problemlos über Big Blue Button durchführen. „Wir haben sowohl über die Vergangenheit und die Familiengeschichte der Autorin gesprochen, die Alena Schröder als Grundlage ihres Romans genutzt hat, als auch über die Wahl ihres Schreibstils und über die Entwicklung der Charaktere des Buches. Es ging außerdem auch um ihren Werdegang, wie sie den Sprung von einer deutsch-begeisterten Schülerin hin zur Autorin geschafft hat“, fasst Lillian Kutscher (17 Jahre) die Veranstaltung zusammen. Alena Schröder selbst wirkte ebenfalls sehr angetan von dem abwechslungsreichen Gespräch und beschrieb in einer Mail nach dem Treffen, wie glücklich sie aus der Begegnung mit diesen „bezaubernden jungen Menschen“ gegangen sei. 

Da wegen der Pandemie der von vielen Schüler*innen freudig erwartete Besuch der Leipziger Buchmesse 2020 ausfallen musste, ergriff Deutschlehrerin Franziska Jackisch die Initiative und schrieb Alena Schröder eine Email mit der Bitte um einen virtuellen Besuch des Deutschunterrichts. Sollten doch ihre Schüler*innen nicht aus der Schule entlassen werden, ohne dass sie ein Autor*innengespräch einmal direkt erlebt haben. Prompt sagte Alena Schröder zu und stellte auch noch den Kontakt zum dtv her, der großzügigerweise einige Ebooks kostenlos für die Abiturient*innen zur Verfügung stellte. 

 

Durch Alena Schröders herzliche und begeisternde Art war das Eis zwischen ihr und den Abiturient*innen trotz Videokonferenz-Distanz schnell gebrochen. "Ernstgenommen" und "auf Augenhöhe" wahrgenommen fühlten die Schüler*innen sich, als Alena Schröder authentisch aus dem Leben einer Autorin, über Schreibblockaden, Selbstdisziplin und herausfordernde Recherchearbeit berichtete. Ehrlich und unkomplizierte stellte sie sich den vielfältigen Fragen der Abiturient*innen. „Ich habe selbst neue Motivation zum Schreiben und zum Lesen durch die Begegnung bekommen“, so Marieke Kroll (18 Jahre). 

Auch zum neuen Roman der Autorin wollten die jungen Erwachsenen einiges wissen, hatten sie sich doch vorbereitend im Deutschunterricht mit dem Titel, dem Cover und der Erzählweise auseinandergesetzt. Nun konnten sie im Gespräch erfahren, dass sie in der Analyse mehr entdeckt hatten, als die Autorin selbst bewusst konstruiert hatte. Ihre Absicht sei es gewesen, einen Roman zu schreiben, der Impulse zum Nachdenken über die eigenen Familienthemen gebe und dabei gute Unterhaltung ermögliche. Dabei habe sie gründliche recherchiert und versucht, die Sprache der Figuren der Zeit und dem Charakter anzupassen. Hier zeigt sich das Talent der Autorin, da diese Wirkungsabsicht im Leseprozess für die Schüler*innen an der Sprache nachvollziehbar geworden ist. Auf Nachfragen in Bezug auf die Thematisierung des Nationalsozialsmus‘ gab Alena Schröder an, wie bewusst sie sich der Problematik einer unangemessenen kulturellen Aneignung gewesen sei. Daher habe sie aufgrund von ihr vorliegenden Familiendokumenten beispielsweise „nur“ den Abend vor der Deportation in ein Konzentrationslager beschrieben, aber nicht die Deportation selbst. „Vor allem die autobiografischen Hintergründe des Buches haben mich gefesselt“, gab Yannick Rilk (18 Jahre) an, „und dass Alena Schröder ihre Wortwahl, insbesondere beim Thema Antisemitismus, mit Bedacht wählte, war sehr interessant.“

 

Tatsächlich sind es nur noch wenige Schultage bis zu den Abiprüfungen. Und leider war aufgrund von Corona ihr letztes Schuljahr ganz anders, als es sich die Abiturient*innen seit der 5. Klasse ausgemalt haben: ohne Abschlussfahrt und wohl auch ohne Abiball. „Deswegen war es umso schöner, doch nochmal etwas anderes als den normalen Schulalltag zu erleben. Die Videokonferenz mit Alena Schröder war sicherlich auch wegen ihrer offenen Art ein gelungener Abschluss für uns alle“, resümierte Katharina Krebber (18 Jahre). „In der letzten Zeit ging alles nur noch um Corona. Abstand halten heißt es, wodurch alles immer unpersönlicher wurde. Umso schöner war es, einen persönlichen und informativen Einblick in das Leben der Autorin Alena Schröder und in ihre Gedanken zu ihrem Buch zu erhalten“, ergänzte Maira Philipps (17 Jahre). „Diese Videokonferenz war für mich ein Trost, da wir nicht zur Leipziger Buchmesse fahren konnten, aber wir durch diesen Austausch wenigstens im kleinen Rahmen nochmal einen literarischen Austausch stattfinden lassen konnten“, bestätige Leonie Nieß (17 Jahre). „Die Konferenz mit Alena Schröder hatte einen ganz anderen Stil als die Veranstaltungen, die wir bisher besucht haben. Vom Theater bis hin zu dem Poetry Slam waren viele kulturelle Veranstaltungen dabei, die aber alle für ein größeres Publikum geschaffen waren und vor allem geplant und geprobt waren. In der Konferenz mit Alena Schröder hatten wir die Chance, eine Person kennenzulernen, die selbst ein Stück zur Kultur beigetragen hat, und wir haben sie als Menschen und Persönlichkeit kennengelernt, ohne dass etwas gespielt oder einstudiert war. Die Konferenz hat eine sehr persönliche Atmosphäre geschaffen, bei der man die Autorin quasi in einem privaten Raum kennengelernt hat, in dem sie nicht nur Autorin war, sondern vor allem eine erreichbare, offene und sympathische Person“, reflektierte Lillian Kutscher (17 Jahre). Alsou Bellmann (17 Jahre) spannte den Bogen in dieselbe Richtung noch weiter: „Die Videokonferenz mit Alena Schröder hat mich noch einmal darin bestätigt, dass Kultur eine wichtige Rolle spielt und spielen sollte. Es gibt viele Menschen, deren Leben daraus besteht, Kultur zu schaffen und noch viele mehr, die davon wiederum profitieren. In Romanen wie dem von Alena Schröder werden bspw. wichtige historische Themen auf eine andere Art und Weise behandelt, etwa in Form einer Familiengeschichte über vier Generationen, als man es z.B. in der Schule machen könnte. Kultur ist ein Weg, historische, politische und gesellschaftliche Themen anzusprechen, einen Austausch zu erzeugen.“

Gemeinschaftsprodukt der Q2b

Stand: 24.03.2021

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